Katze

Darmstädter Echo vom 30. Januar 2003

Das Akkordeon hat Konjunktur

Großes Orchester: 60 Aktive machen mit Christel Sprössler in Roßdorf Musik - die älteste Spielerin ist siebzig

ROSSDORF. Über 120 Knöpfe auf der Bassseite, 41 Tasten auf der Pianoseite, dazu elf Register links, fünf rechts und in der Mitte ein gewaltiger Blasebalg - das braucht ein Akkordeonspieler. "Auf dem Akkordeon kann man alle Musikrichtungen spielen, von Schlager und Pop über Volksmusik bis zu Polka und Marsch", weiß die Vorsitzende des Akkordeon-Orchesters 1938 Roßdorf, Christel Sprössler.

Vor fast 65 Jahren als Handharmonika-Club gegründet, wurde 1970 der Name in Akkordeon-Orchester geändert. Heute hat das Orchester rund 130 Mitglieder, davon mehr als 60 Aktive. Ältestes Mitglied ist der Roßdörfer Hans Fischer mit 80 Jahren. Er habe nie selbst im Orchester mitgespielt, komme aber zu jeder Probe, hätte noch nie einen Auftritt verpasst und bis heute mit peinlichster Genauigkeit die Finanzen des Orchesters im Auge. Die siebzigjährige Marianne Geisel aus Jugenheim ist die ältestes aktive Spielerin und wird von Sprössler liebevoll als "Perle des Vereins" und "Mutter der Kompanie" bezeichnet. Mit 16 ist Elisabeth Trillig aus Gundernhausen die Jüngste in der Akkordeon-Truppe.

Die aktiven Mitglieder sind in einer der vier Orchestergruppen organisiert: Im Ersten Orchester sind 32 Musiker aktiv, die schon mehrfach an internationalen Wettbewerben teilnahmen. Höhepunkt ist das Jahreskonzert im November in der Rehberghalle. "Hierauf bereiten wir uns fast ein ganzes Jahr vor", sagt Sprössler. Außerdem sei es Tradition, zum Jahresbeginn für die alten Leute bei der AWO zu spielen.

Fingerarbeit auf dem Akkordeon

Die zweite Erwachsenengruppe, die "Q Q Chá Chas", entstand vor knapp sechs Jahren aus einer Gruppe, die nach einer Spielpause wieder einsteigen wollte. Es sind auch Leute dabei, die es bis dato nie versuchten. Mittlerweile sind die "Q Q Chá Chas" auf 26 Musikanten angewachsen.

Über mangelndes Interesse von Jugendlichen könne das Orchester nicht klagen, so die Vorsitzende. Zur Zeit spielen im Nachwuchsorchester 14 Kinder und Jugendliche. Auch das Jugendensemble habe mit zehn Mitgliedern einen festen Platz im Verein.

Die Orchestermitglieder werden von zwei Musiklehrerinnen und Dirigentinnen betreut und trainiert. Ingrid Machauer und Constanze Sauer haben an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt studiert. Es werde größter Wert auf eine gründliche musikalische Ausbildung gelegt, so Sprössler, denn das zahle sich aus. In der vergangenen zehn Jahren sei viel in die Ausstattung investiert worden. So seien Instrumente zur Begleitung angeschafft worden, wie Pauken, Schlaginstrumente, Glockenspiele und ein E-Piano sowie auch Sonderinstrumente, mit denen man elektronisch beispielsweise Trompeten oder Basso-Töne erzeugen könne. Unter den über 3000 Akkordeon-Spielgruppen in Deutschland zählt das Roßdörfer zu den größeren. Die Musiker proben donnerstags im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in Gundernhausen von 20 bis 22 Uhr und freitags im Bürgerzentrum Neue Schule, in Roßdorf von 20 bis 22 Uhr.

Weitere Infos: Informationen bei Christel Sprössler unter 06071 48450 oder im Internet unter: www.aor-online.de

ANDREA HENNICK
Darmstädter Echo, 2003-01-30