Katze

Darmstädter Echo vom 30. April 2013

Gotteslob mit Akkordeon und Gesang

Konzert – In Roßdorf feiert der Kirchenchor sein 120-jähriges und das Akkordeon-Orchester sein 75-jähriges Bestehen


Ein festliches Konzert dirigierte Johannes Schmidtke als Leiter des evangalischen Kirchenchors
in Roßdorf. Zudem trat das Akkordeonorchester auf, das seit 75 Jahren musiziert.
FOTO: KARL-HEINZ BÄRTL

ROSSDORF. Bewegend war der Gottesdienst am "Sonntag Kantate" in der evangelischen Kirche in Roßdorf: Der vierte Sonntag nach Ostern steht liturgisch im Zeichen der Kirchenmusik und war bestens geeignet, den 120. Geburtstag des Kirchenchors sowie 75 Jahre Akkordeon-Orchester zu feiern.

Dass Akkordeonmusik nicht nur volkstümlichen Charakter hat, bei Festen in Bürgerhaus oder beim Grillen im Grünen erfreut, sondern ebenso sakrales Gepräge haben kann, belegten die Musiker am Sonntag: In der evangelischen Kirche flankierte das Akkordeonorchester Roßdorf das geistliche Chorsingen. Der Chor, der 120-jähriges Bestehen feiert, wurde vom hauptamtlichen Kirchenmusiker Johannes Schmidtke dirigiert, die Akkordeonspieler, die 75. Vereinsgeburtstag feiern, leitete Peter Löw an.
Gemäß dem Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“, der traditionell den Gottesdienst am 4. Sonntag nach Ostern („Sonntag Kantate“) umrahmt, ertönten Lieder aus drei Kontinenten und Musiken aus vier Jahrhunderten. „Lass uns nicht stumm bleiben unter den Geschöpfen, die dich preisen, sondern mach unser Leben zu einem Lobgesang auf deine wunderbare Macht und Güte“, predigte Pfarrer Axel Erdman. Er würdigte die Musik als Kraft, die Glauben ins Herz der Menschen transportiert und jenseits der Worte intuitiv anrührt.
Es war eine bewegende Feier, die Dank und Gotteslob angesichts himmlischer Klänge der Musizierenden in den Fokus stellte. „You raise me up – Du erhebst meine Seele, Herr“ war das Lied, das den Gottesdienst eröffnete und die zahlreichen Besucher festlich einstimmte. Die Akkordeonisten bezeugten die Kunst, sakrale Notenliteratur orchestral zu vertonen. Mit dem Kirchenlied „In Christus leben“ setzte der Kirchenchor nach, wobei die dreißig Aktiven ihren Gesang mit der Gemeinde paarten, die teils freudig einfiel, teils andächtig den Stimmen des Chors lauschte.
Rund achtmal jährlich krönt der Kirchenchor seit Jahren die Gottesdienste, hat Chorprojekte erarbeitet, die über die Gemeinde hinaus mit dem Requiem von Mozart, mit Bachs Johannes-Passion und anderen Konzerten Eindruck machten. Vieles ist Johannes Schmidtke zu danken, der seit 2005 hier – sowie mit zehn Prozent seiner Stelle in Gundernhausen – maßgeblich Impulse setzt.

„Öffne unsere Herzen und Ohren“

Eindrucksvolles „Kyrieeleison“ („Herr, erbarme dich“) aus der Ukraine sowie aus Paraguay erschallte in der hohen, über 125 Jahre alten Kirche, auf deren hellen Mauern die Morgensonne spielte. „Träumer und Zweifler, Sucher und Finder gemeinsam in Gottes Gnade steh’n“, sang der Chor. Schmidtke tauschte während des Konzerts den Dirigentenplatz mit der Orgelbank. Prachtvoll strahlten die silbrigen Orgelpfeifen überm Chorraum. Besinnlich stimmte das gemeinschaftliche „Gloria“ aus Taizé, ein lebensvolles „Halleluja“ aus Südafrika belegte die Gospel-Qualität des Chors. „Hab Dank für eine gesegnete, musikalische Vergangenheit – 120 Jahre Kirchenchor, 75 Jahre Akkordeonorchester. Öffne unsere Herzen und Ohren für die Musik dieses Gottesdienstes“, betete Pfarrer Axel Erdmann. Tatsächlich erfuhren gemäß dem Matthäus-Evangelium auch all jene die „mühselig und beladen“ waren an diesem Sonntagmorgen große Freude: Dies war auf entspannten Gesichtern zu lesen.
Pfarrer Erdmann predigte diesmal auf der hohen, goldverzierten Kanzel, um den Chor, der die Empore füllte, nicht im Rücken zu haben. „Im Kreis der musikalischen Andacht sind wir alle verbunden“, bezog er Akkordeonisten, Chorsänger und Gemeinde ein. Das „Wasserschöpfen aus dem Heilsbrunnen“, über das er nach den Worten des Propheten Jesaja predigte, erfuhr Korrespondenz in klangvollen Musiken: Loben, Bekennen und Danken wurden eins.

lot
Darmstädter Echo, 2013-04-30