Katze

Wieder Akkordeonklänge in der Rehberghalle nach langer Pause

Die Spieler des Akkordeon-Orchesters 1938 Roßdorf fiebern ihrem Konzert entgegen. Die Musiker haben trotz Pandemie Möglichkeiten zur Probe gefunden.






ROSSDORF. Fast lyrisch mutet der melancholisch ruhige Tango Nuevo an, den 20 Akkordeonspieler und ein Keyboarder ihren Instrumenten entlocken. Vergessen ist die hell erleuchtete Umgebung im Übungsraum der Roßdorfer Zahlwaldhalle. Dem verstorbenen Komponisten und Bandoneon-Spieler Astor Piazzolla aus Argentinien hätte die Interpretation seiner „Milonga der Ángel“ wohl gefallen. Das Erste Orchester des Akkordeon-Orchester 1938 Roßdorf probt für das Herbstkonzert am Samstag, 13. November, um 19 Uhr in der Rehberghalle in Roßdorf.

Konzert

Das Roßdörfer Akkordeon-Orchester bei der Probe wenige Tage vor dem geplanten Konzert.

Foto: Isabel Hahn

Der erste Auftritt nach der langen Corona-Zwangspause in einem Innenraum. Christoph Sprößler, Vorsitzende des Vereins, freut sich. Zwei Jahre sind vergangen, seit dem letzten Jahreskonzert 2019. Nur einmal open-air haben er und seine Kollegen seither die Quetschkommoden rausgeholt, beim Europafest der Gemeinde im September.
Und wie lief es mit den Proben? Wurde anfangs überhaupt noch gemeinsam musiziert? „Immer, wenn es erlaubt war, haben wir uns getroffen“, antwortet Sprößler. Zum Beispiel zwischen Juni und August 2020 zu den regulären eineinhalb Stunden pro Woche. Glücklicherweise sei der Übungsraum mit 100 Quadratmeter so groß, dass selbst mit der Fünf-Quadratmeter-pro-Person-Regel 20 Spieler reinpassten.
Eine Zeit lang platzierten sie eine Plexiglasscheibe vor ihren Dirigenten Peter Löw. „Eine Einschränkung, aber wir konnten zusammen proben“, findet Sprößler. Und zu den Zeiten, in denen Versammlungen gar nicht sein durften, machten sie online weiter. „Pausiert haben wir nie“, sagen Löw und Sprößler. Wenn auch das Proben online natürlich anders verlief. „Gemeinsam spielen ist auf diese Weise nicht möglich“, sagen die Herren vom Fach. Ein unangenehmer Zeitversatz – und sei er noch so gering – verhindere das. So trafen sich immer drei Leute zur virtuellen Stimmprobe mit ihrem Dirigenten und legten halt nacheinander los, jedes Grüppchen eine halbe Stunde.
Rund 30 Spieler hat das Erste Orchester insgesamt, neben denen mit Akkordeon gibt es sieben für Schlagwerk, Bass und Elektronium, eine Art Keyboard-Akkordeon. Auch über 80-Jährige sind mit von der Partie, beispielsweise Marianne Klüber für den Akkordeon-Bass. „Das ist das Schöne. Wer einmal in der Gemeinschaft spielt, bleibt meistens dabei. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation“, berichtet Sprößler. Er selbst begann schon 1975 als Achtjähriger mit Akkordeon, und Dirigent Löw hat zwischen 50 und 60 Spieljahren auf dem Buckel. Aber genauso gut machen junge Leute mit. Nachwuchssorgen? Nein, die findet man im Roßdorfer Verein nicht.
Im Ersten Orchester etwa sitzen fünf Studenten. Und dann ist da ja auch noch das Jugendorchester für Teenager, die ein gewisses spielerisches Level erreicht haben. Im Schülerorchester schnuppern Anfänger möglichst früh Orchesterluft, und die Q Q Chá Chas stellen das Zweite Orchester. Summa summarum knapp 100 Musikanten, die allesamt beim Konzert aufspielen. Plus 75 Passive im Verein. Der Unterricht während der Corona-Hochzeiten hat übrigens ebenfalls online stattgefunden. 35 Lernende sind es aktuell, vier mehr als vor Pandemiebeginn. „Die Neuen haben wir lang nur per Video gesehen.“ Sprößler lacht und fügt an: „Die meisten der 35 nutzen das Online-Angebot sogar weiter – aus Zeitgründen, um Wege zu sparen.“ Weggefallen ist dem Verein wegen Corona keiner.

Isabel Hahn
Darmstädter Echo, 12. November 2021