Darmstädter Echo, 7. April 2025

Akkordeon Orchester Roßdorf reist zum World Music Festival

Das Akkordeon Orchester 1938 Roßdorf bereitet sich auf einen Wettbewerb vor und feilt mit dem renommierten englischen Komponisten und Dirigenten Ian Watson an „King Arthur“.

Das Akkordeon Orchester Roßdorf bei der Probe mit Ian Watson. © Wolfgang Opitz

Rossdorf. Für die Roßdörfer bot sich eine ganz besondere Chance: Das Akkordeon Orchester 1938 Roßdorf e.V. arbeitete zusammen mit dem renommierten englischen Komponisten und Dirigenten Ian Watson – dem Leiter des London Accordion Orchestra. An einem Vormittag in Sulzbach feilten die Musiker mit dem Komponisten des Stücks „The Legend of King Arthur“ höchstselbst, welches sie für das Wertungsspiel beim World Music Festival in Innsbruck einstudierten. Beim Wettbewerb in Österreich werden sich die Roßdörfer an einem langen Wochenende im Mai mit vielen tausend Konkurrenten messen. „Da sieht man überall nur noch Akkordeon-Spieler, alles ist fußläufig erreichbar, fast alles dreht sich an diesem langen Wochenende im Mai um das Handzuginstrument“, erzählt Christoph Sprößler. „Ein großes Ding“, umschreibt es der 57 Jahre alte Vereinsvorsitzende.

„Wir fahren mit zwei Doppeldeckerbussen nach Innsbruck. Mit von der Partie: Drei Orchester, zwei Erwachsenen- und ein Jugendorchester. Die jüngste Spielerin ist vierzehn Jahre alt und die älteste über achtzig.“ Wobei die Roßdörfer Akkordeonspieler wahrlich keine Unbekannten in Innsbruck sind: Bereits zum 13. Mal besucht der Verein den weltweit größten Wettbewerb für Akkordeon-Orchester in der Alpenstadt. Die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Zurück zu Ian Watson und dem großen Abenteuer der Roßdörfer. Zunächst beteiligten sich nur einige Spieler an einem Workshop, wobei auch Sulzbacher Akkordeonspieler mit dabei waren und vom Profimusiker lernten. Den Kontakt zu Watson vermittelte die Roßdörfer Dirigentin Kerstin Schmidt, die weiß, dass der Engländer öfter in Deutschland ist und Workshops anbietet. Dieses Mal schlugen die Roßdörfer zu: „Er hat viele Stücke in letzter Zeit komponiert und seine ,Legend of King Arthur’ passt charakteristisch sehr gut zu uns“. Das Stück habe zudem auch die richtige Länge für einen Wettbewerb. Später kamen alle 44 Orchester-Spieler aus Roßdorf in den großen Genuss, mit dem Meister an Passagen zu feilen. Denn da gab’s Details und Ideen des Erfinders, die er im Laufe der Zeit selbst noch weiterentwickelte. Jetzt profitierten alle davon.

Mit dem Komponisten das Stück neu erlebt

Viele Orchester spielten Watsons Stücke, denn vom Schwierigkeitsgrad her seien sie optimal und für Wettbewerbe geeignet. Es sei freilich „sehr interessant“ gewesen, mit dem Komponisten selbst zu arbeiten, da er das Stück in Bildern und Geschichten beschrieb, so dass der Charakter spürbarer wurde. „Oder wie wir gewisse Passagen spielen könnten, einige deutlich schneller, anders, als wir es vorher taten.“

Musiker gelangen zu einem tieferen Verständnis

Ian Watson erklärte, wie sich auch für ihn ein Stück weiter verändere, wie sich Ideen fortentwickelten: „Und was er jetzt in Passagen neu hinein interpretiert.“ Das wörtliche Visualisieren habe geholfen, das Stück besser, tiefer zu verstehen – mit anderen Gefühlen zu betonen.

Die Roßdörfer Akkordeonspieler haben bereits ein beträchtliches Repertoire, können aus dem Stand abendfüllende Programme anbieten, und spielen Arrangements von Pop- und Rockklassikern, moderne Lieder, die vielschichtig klingen. Doch lernen kann auch der Geübte noch, was das Zusammenspiel mit Ian Watson bewiesen hat.

Von Sibylle Maxheimer